Gewichtsverlust durch Abnehmspritzen: Zahlt die Krankenkasse?
Abnehmspritzen werden von der Krankenkasse gezahlt – unter bestimmten Bedingungen. Wann Sie Wegovy und Mounjaro bekommen, erklärt Comparis.

27.03.2025

iStock / Douglas Cliff
1. Welche Abnehmspritzen gibt es in der Schweiz?
In der Schweiz gibt es im Moment zwei zugelassene Abnehmspritzen. Die Spritzen sind:
Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutidum
Mounjaro mit dem Wirkstoff Tirzepatidum
Saxenda hat in der Schweiz zwar eine Zulassung als Abnehmspritze, ist hier aber nicht mehr erhältlich. Ozempic hat ausschliesslich eine Zulassung zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2. Bei Diabetes kann der Körper Blutzucker nicht mehr in Energie umwandeln.
Gut zu wissen: Mounjaro ist auch zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen.
Wichtig: Abnehmspritzen sind kein Lifestyle-Produkt. Sie unterstützen Personen bei medizinischer Notwendigkeit beim Abnehmen.
2. Wer bekommt die Abnehmspritzen Wegovy und Mounjaro in der Schweiz?
Wegovy und Mounjaro sind nur für die Behandlung von starkem Übergewicht zugelassen. Es muss eine medizinische Notwendigkeit zum Abnehmen bestehen. Die Abnehmspritze kann etwa nach mehreren nicht erfolgreichen Abnehmversuchen helfen.
3. Werden Mounjaro und Wegovy von Krankenkassen in der Schweiz gezahlt?
Grundsätzlich übernehmen Krankenkassen die Kosten für Wegovy bei medizinischer Notwendigkeit. Aber: Sie müssen zusätzliche Begleitmassnahmen durchführen. Die Massnahmen sehen Sie in der untenstehenden Liste. Die Kosten für Mounjaro werden in der Schweiz nicht von der Krankenkasse übernommen.
Wann wird Wegovy von der Krankenkasse in der Schweiz übernommen?
Sie wenden sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Sie oder er überweist Sie an eine Fachperson für Endokrinologie oder ein Adipositas-Zentrum. Nur bei Rezepten von einem dieser Orte zahlt die Krankenkasse. Verschreibt Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt das Medikament, müssen Sie es selbst zahlen.
Abnehmspritzen sind in der Schweiz nur für Personen ab 18 Jahren zugelassen.
Sie leiden an Adipositas (BMI über 35). Auch bei starkem Übergewicht (BMI über 28) mit einer Begleiterkrankung übernimmt die Krankenkasse. Begleiterkrankungen sind etwa Bluthochdruck, Diabetesvorstufe oder Schlafapnoe.
Begleitend zur medikamentösen Therapie besuchen Sie regelmässig die Ernährungsberatung. Sie machen ausserdem eine «500-Kalorien-Defizit-Diät». Das heisst: Sie essen 500 Kilokalorien weniger als Ihr Tagesbedarf.
Mehr körperliche Aktivität ist erforderlich. Das können Sie zum Beispiel mit einem Schrittzähler nachweisen.
Gemeinsam mit einer Fachperson legen Sie Ihr Gewichtsziel fest. Sie messen regelmässig Ihren Fortschritt. Nur wenn Sie Ihre Therapieziele erreichen, zahlt die Krankenkasse weiterhin.
Die Kostenübernahme der Abnehmspritze Wegovy durch die Krankenkasse ist im Moment bis 2027 befristet. Ob die Krankenversicherung die Therapie danach weiter zahlt, ist noch offen.
Wichtig: Haben Sie bereits eine bariatrische Operation hinter sich, besteht keine Kassenpflicht. Das gilt auch, wenn Sie die Operation geplant haben. Zu den bariatrischen Operationen gehören etwa:
Magenbypass (Magenverkleinerung)
Magenband (Unterteilung des Magens in einen Vormagen und einen Restmagen)
Gastrektomie (teilweise Magenentfernung)
4. «Fett-weg-Spritze»: Kosten in der Schweiz
Wegovy-Preis in der Schweiz
Wegovy kostet gemäss Spezialitätenliste 178.95 Franken pro Pen. Ein Pen reicht für vier Wochen. Die Krankenkasse übernimmt neunzig Prozent der Kosten nach der Franchise. Nach weiteren 700 Franken Selbstbehalt übernimmt die Krankenkasse alle Kosten.
Wichtig: Es kommen auch noch Kosten für Arztbesuche und Ernährungsberatung hinzu.
Beispielrechnung mit Kostenübernahme von Wegovy durch die Grundversicherung:
Jährliche Kosten: 2’326.35 Franken pro Jahr. Das entspricht 178.95 Franken pro vier Wochen.
Franchise: 300 Franken
Restbetrag nach Franchise: 2’326.35 Franken – 300 Franken = 2’026.35 Franken
Kostenübernahme durch Krankenkasse (90 Prozent): 90 Prozent von 2’026.35 Franken = 1’823.72 Franken Selbstbehalt (10 Prozent): 10 Prozent von 2’145.95 Franken = 202.64 Franken
Gesamtkosten für die Patientin oder den Patienten: 300 Franken (Franchise) + 202.64 Franken (Selbstbehalt) = 502.64 Franken pro Jahr
Stand: März 2025
Mounjaro-Preis in der Schweiz
Mounjaro kostet in der Schweiz monatlich etwa 500 Franken. Der Preis kann aber je nach Apotheke schwanken.
Je nach Anbieter und Versicherungsdeckung zahlt die Zusatzversicherung zumindest einen Teil der Abnehmspritzen-Kosten. Falls nicht, tragen Sie den vollen Preis selbst.
5. Wie wirken die «Fett-weg-Spritzen» Wegovy und Mounjaro?
Wegovy und Mounjaro gehören zur sogenannten GLP-1-Behandlung. GLP steht für «Glucagon-Like-Peptide», das ein im Darm produziertes Hormon ist. Es reguliert den Blutzuckerspiegel und den Appetit.
Durch GLP-1 verzögert die Abnehmspritze die Magenentleerung und reduziert den Appetit. Durch die verringerte Nahrungsaufnahme baut der Körper vor allem Fett ab – manchmal aber auch Muskeln.
Teilnehmende einer Wegovy-Studie reduzierten ihr Körpergewicht im Durchschnitt um etwa 15 Prozent. Gemäss Swissmedic beträgt der Gewichtsverlust mit Mounjaro im Durchschnitt 22,5 Prozent bei Personen ohne Diabetes Typ 2.
6. Welche Nebenwirkungen haben Abnehmspritzen?
Wie die meisten Medikamente haben auch Wegovy und Mounjaro Nebenwirkungen. Einige treten allerdings nur zu Beginn auf.
Deshalb startet die Behandlung oft mit einer niedrigen Dosierung. Sie wird schrittweise erhöht, wenn die Patientin oder der Patient das Medikament gut verträgt. Über die Langzeitwirkungen ist allerdings erst wenig bekannt.
In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über häufige Nebenwirkungen:
Nebenwirkung | Häufigkeit |
---|---|
Übelkeit | Sehr häufig |
Durchfall | Sehr häufig |
Verstopfung | Sehr häufig |
Erbrechen | Sehr häufig |
Bauchschmerzen | Sehr häufig |
Kopfschmerzen | Sehr häufig |
Erschöpfung | Sehr häufig |
Schwindel | Häufig |
Aufstossen | Häufig |
Blähungen | Häufig |
Haarausfall | Häufig |
Hautreaktionen an der Injektionsstelle | Häufig |
Magenentzündung | Häufig |
Sodbrennen | Häufig |
Spannungsgefühl im Bauch | Häufig |
Gallenstein | Häufig |
Quelle: Europäische Kommission
Sehr häufig: Tritt bei über 10 Prozent der Patientinnen und Patienten auf.
Häufig: Tritt bei 1 bis 10 Prozent der Patientinnen und Patienten auf.
In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über häufige Nebenwirkungen:
Nebenwirkung | Häufigkeit |
---|---|
Übelkeit | Sehr häufig |
Durchfall | Sehr häufig |
Verstopfung | Sehr häufig |
Erbrechen | Sehr häufig |
Allergische Reaktionen | Häufig |
Schwindel | Häufig |
Niedriger Blutdruck | Häufig |
Bauchschmerzen | Häufig |
Aufstossen | Häufig |
Blähungen | Häufig |
Sodbrennen | Häufig |
Haarausfall | Häufig |
Müdigkeit | Häufig |
Hautreaktionen an der Injektionsstelle | Häufig |
Quelle: Swissmedic
Sehr häufig: Tritt bei über 10 Prozent der Patientinnen und Patienten auf.
Häufig: Tritt bei 1 bis 10 Prozent der Patientinnen und Patienten auf.
Dieser Artikel wurde erstmals produziert am 27.06.2024
Das könnte Sie auch interessieren

Ernährungsberatung: Was zahlt die Krankenkasse?

Krankenkassen und Fitness-Abos: Welche Krankenkasse zahlt das Fitnessstudio?

Nasen-, Brust-OP oder Bauchstraffung: Diese Kosten zahlt die Krankenkasse
